Paprika und Chili

Paprika und Chili

  • Capsicum spp. – Nachtschattengewächse
  • Aussaat Paprika: 8 bis 10 Wochen vor den letzten Frösten (ab Mitte Februar)
  • Aussaat scharfe Chilis: 12 Wochen vor den letzten Frösten (ab Anfang Februar)
  • Auspflanzen, sobald Gefahr von Spätfrösten vorbei ist
  • hohe Keimtemperatur! Paprika mindestens 20 °C, Chili 25 °C
  • vor allem scharfe Chilis haben eine lange Kulturdauer und müssen früh und am besten im Zimmergewächshaus ausgesät werden
  • Ernte ab Mitte Juli, Haupternte September
  • Paprikaerträge schwanken stark je nach Sorte und Region: 2-10 kg/m2
  • vorwiegend Selbstbefruchtung, durch Insek­ten auch Fremdbefruchtung
  • Samen 4-5 Jahre keimfähig

In den letzten Jahren ist ein wahrer Paprika- und Chili-Boom ausgebrochen. Die Pflanzen brauchen sehr viel Licht und Wärme. In kühleren Lagen können nur bestimmte robuste Paprikasorten im Freiland kultiviert werden. Wärmebedürftige Pa­prikasorten und alle Chilis müssen im Gewächs­ haus oder im Topf an der Hausmauer angebaut werden. Im Weinbaugebieten können beide auch im Freien angebaut werden. Die meisten Früchte reifen im September und Oktober. Während sich reiche Paprikaernten nur in warmen Lagen erfahren lassen, kann der Bedarf an Chilipulver auch schon mit einigen Topf-Chilis gedeckt werden.

Anbau

Paprika gedeihen auf tiefgründigen, humosen, mit­ telschweren Böden besonders gut. Auch Sandböden eignen sich, vorausgesetzt, sie sind gut mit Kom­post versorgt. Verdichtete, kalte Böden wirken sich sehr ungünstig auf das Wachstum aus. Paprika wird vorgezogen und nach Mitte Mai ins Freiland gesetzt (ausgenommen einige freilandtaugliche Sorten im Weinbaugebiet).

Jungpflanzenanzucht

Paprika werden frühestens zwischen Mitte und Ende Februar ausgesät. Ein guter Richtwert für die Aussaat ist 8-10 Wochen vor den letzten Frösten: Mit diesen ist meist Mitte Mai zu rechnen. Daher ist Anfang bis Mitte März meistens ideal. Die Aussaaten müssen warm und hell stehen und keimen am besten bei 25-28 °C (besonders wichtig bei vielen Chilisorten; für alle ande­ren mindestens 20 °C; bei diesen Temperaturen keimen die Samen spätestens 2 Wochen nach der Aussaat). Bei zu niedrigen Temperaturen keimt Saatgut gar nicht, oder es entwickeln sich rasch Pilze im Substrat, und die Samen verschimmeln. Die Pflanzen werden im Keim­blattstadium (ca. 3 Wochen nach der Aussaat) pikiert. Etwas tiefer in den Topf einsetzen, als sie vorher stan­den. Nach dem Pikieren bei 20-22 °C weiterkultivieren. Sind die Pflanzen deutlich gewachsen, können sie an warmen Tagen ins Freie gestellt werden (in Glashäu­sern gut lüften). Etwa 8-10 Wochen nach der Aus­saat können die Jungpflanzen ausgepflanzt werden (vorausgesetzt, die Temperaturen lassen das auch zu!). Chilisorten aus der Art Capsicum chinense (z.B ,Habanero‘) bevorzugen meist deutlich höhere Temperatu­ren in der Vorkultur und können erst zwischen Anfang bis Mitte Juni ausgepflanzt werden. In Gegenden mit sehr niedrigen Nachttemperaturen empfiehlt es sich, die Pflanzen (insbesondere wärmeliebende Chilis) bis Ende Juni in Kübeln zu kultivieren, um sie eventuell in kalten Nächten an einen warmen Ort bringen zu können.

Auspflanzen

Im Freiland: Mitte Mai (Paprika) bis Mitte Juni (Chi­li) auspflanzen. Vor dem Setzen die Pflanzen gut wässern (ideal: die Töpfe in ein Wasserbad stellen). Pflanzabstände: im Freiland 40 x 40 cm bis 60 x 50 cm (4-5 Pflanzen pro m2).

Im Gewächshaus: Mitte bis Ende April auspflanzen. Pflanzabstände: nur 2-3 Pflanzen pro m2.

Temperaturansprüche

Wenn die Temperaturen über einen längeren Zeit­raum unter 15 °C liegen, verlangsamen die Pflanzen ihr Wachstum und stoßen die Blüten ab, Ertrag und Qualität der Früchte sinken. Bei Temperaturen unter 10 °C stellen Paprikapflanzen ihr Wachstum ganz ein, unter 5 °C sterben sie ab. Allerdings gibt es auch einige ausgesprochen gute Freilandpaprika mit niedrigeren Temperaturansprüchen.

Düngung und Wasserbedarf

Paprikapflanzen sind Starkzehrer, vertragen aber kei­ne einzelnen hohen Düngergaben. Kompost hat eine langsame, aber langfristige Düngewirkung. Sobald die Pflanzen Früchte ansetzen, kann mit Pflanzenjauchen nachgedüngt werden. Gemüsepaprika brauchen mehr Nährstoffe als Chilis. Unter den Gemüsen braucht die Paprikapflanze gemeinsam mit Gurken und Melanzani am meisten Wasser. Vor allem in der Zeit des Fruchtansatzes und der Fruchtreife gut bewässern. Ideal ist eine Luftfeuch­tigkeit von 75-80 °/o; daher gedeihen Paprika und Chilis im Gewächshaus besonders gut. Bei niedriger Luft­feuchte und hohen Temperaturen lassen die Pflanzen Blüten und Früchte fallen. Nach dem Fruchtansatz kann durch ein zurückhal­tendes Bewässern bei scharfen Sorten der Capsaicin-Gehalt gesteigert werden – die Pflanzen dürfen ihre Blätter etwas hängen lassen.

Stütze

Im Gewächshaus ist ein Stützsystem jedenfalls nötig; doch auch im Freiland leistet dies gute Dienste (bei großfruchtigen Sorten und generell als Schutz bei Starkregen oder starkem Wind). Je größer und damit schwerer die Früchte, umso höher sind die Anforderun­gen an ein gutes Stützsystem. Im Gewächshaus können die Pflanzen auch an Schnüren aufgeleitet werden. Bei Chilis und vielen Pfefferoni ist es meist ausreichend, den Pflanzen einen Stützstab zu geben. Insbesondere bei Paprikasorten mit schweren Früchten haben sich Paprika-Leitern bewährt.

Pflege

Wichtig ist eine regelmäßige Bodenlockerung und damit eine regelmäßige Nährstoffmobilisierung, ein Anhäufeln erhöht die Standfestigkeit. In Lagen mit kühlem Frühsommer zwickt man bei Paprika die „Kronblüte“ (= erste Blüte) aus. Sonst sind Paprikapflanzen auch noch im Juli Winzlinge und tra­gen nur 2-3 Früchte. Wärmeliebende Chilipflanzen im Freiland in diesen Lagen mit Vlieshauben schützen.

Fruchtfolge und Mischkultur

Als Starkzehrer steht Paprika am Anfang der Fruchtfolge. Freiland: Bei ausreichendem Reihenabstand (mindes­tens 60 cm) können Salate oder Knoblauch zwischen die Reihen gesetzt werden.

Gewächshaus: Bei einer ausreichenden Beetbreite können niedere Kräuter (z.B. Basilikum, Thymian) am Rand gepflanzt werden.

Pflanzengesundheit

Im Freilandanbau ist Paprika nur wenig anfällig für Schädlinge. Im Hausgarten ist der Anbau daher ohne Probleme möglich. Gerne „besuchen“ Blattläuse Pap­rikapflanzen, vor allem wenn der Eiweiß-Stoffwechsel in der Pflanze infolge von Lichtmangel oder Überdüngung gestört ist. Vorbeugend: nicht zu stark düngen, ausreichende Pflanzabstände einhalten und/oder mit Stroh mulchen. Behandlung: mit Schmierseifelösun­gen spritzen. Andere Schädlinge treten nur selten auf und schädigen die Frucht nicht direkt. Ausnahmen: die Gemüseeule und der Maiszünsler. Diese machen sich gerne an den Früchten zu schaffen. Vorbeugung in gefährdeten Lagen: auch noch im Juni und August neben den Paprikapflanzen Mais aussäen. Auftreten können verschiedene Virosen; diese werden in erster Linie von Blattläusen übertragen. Typisches Krank­heitsbild: Junge Blätter sind kräuselig bis blasenför­mig verformt oder gefleckt, die Pflanzen bleiben im Wuchs zurück. Virosen treten stärker bei Wachstums­stockungen der Pflanze (z.B. bei zu kalter Witterung) in Erscheinung und können sich auch wieder „auswachsen“ (die nächste Blattgeneration zeigt keine Symptome). Ein latenter Virusbefall ist aber dennoch vorhanden. Im Gewächshaus kann die Verticillium-Welke auftreten. Diese Pilzerkrankung stellt sich nur dann ein, wenn keine oder eine zu enge Fruchtfolge eingehalten wird. Behandlung: befallene Pflanzen ent­fernen. Gegenmaßnahme: Anbaupausen von 4 Jahren einhalten. Keine Krankheiten, sondern physiologische Schäden sind Blüten- und Knospenfall. Ursache: zu große Temperaturschwankungen, zu niedere/zu hohe Temperaturen. Blütenendfäule (nur im Gewächshaus und bei Gemüsepaprika ein Problem) zeigt sich durch eingesunkene Flecken an der Fruchtspitze und beruhen auf relativen Kalziummangel. Ursachen können sein: Überdüngung, vorübergehender Wassermangel und zu hohe Temperaturen. Vorbeugung: auf gleichmäßige Bewässerung achten, schattieren, um die Temperatur zu senken, lüften.

Ernte und Lagerung

Wenn zeitgleich zu viele Früchte an der Pflanze reifen setzt sie keine neuen Blüten an. Abhilfe: einige Früchte ernten (auch wenn sie noch unreif sind). Die Früch­te sind reif, wenn sie einen deutlichen Farbumschlag vollzogen haben (von Grün nach Rot/Violett/Gelb; von Hellgelb nach Dunkelgelb/Orange/Rot). Die Farbe der reifen und der unreifen Sorten ist sortentypisch. Grüne Paprika sind stets unreif (was auch der Grund dafür ist dass viele Menschen grüne Paprika nicht vertragen). Traditionell vor dem Farbumschlag gegessen werden oft Wachspaprika und auch die Sorte ,Neusiedler Ideal‘. Paprikafrüchte lassen sich nicht lange lagern; sie sind kälteempfindlich. Die meisten Sorten sind bei ca. 10-16 °C 8-10 Tage lagerfähig, dickfleischige und saftige Sorten kürzer. Sorten, die bereits an der Pflanze eher „trocken“ sind, sind über viele Wochen gut lager­fähig. Paprika nie unter 7 °C lagern. In Kühlschränken haben Paprika nichts verloren!

Paprika und Chilis als Balkongemüse

Vor allem Chilis und Pfefferoni lassen sich sehr gut auch in Trögen und Töpfen kultivieren. Gefäßgröße Chilis: mindestens 5 Liter, ideal 15 Liter/Pflanze. Gefäßgröße Paprika: mindestens 8 Liter, ideal 25 Liter/Pflanze. Sorten mit einem ausladenden Wuchs brauchen jedenfalls größere Pflanzgefäße. Wer nicht nur einen Balkon, sondern für den Winter auch ein vollsonniges Plätzchen in der Wohnung zur Verfügung hat, kann auch eine mehrjährige Paprikapflanze kultivieren: z.B. den Baumpaprika [Capsicum pubescens), der bis +/-0 °C frostbeständig ist und erst eingeräumt wer­den muss, wenn die Temperaturen noch weiter sinken. Die Pflanzen müssen nicht zurückgeschnitten werden. Die Pflanzen müssen so hell wie möglich stehen, sonst sind sie sehr anfällig für Blattläuse und kränkeln vor sich hin.

Sorten

Gemüsepaprika

Am genügsamsten sind Freilandpaprika mit einer kurzen Entwicklungszeit, etwa die Wachspaprikasorten (Ceee-Typen) ,Roter Augsburger‘,,Ferenc Tender‘, ,Sommergold‘, ,Pusztagold‘, viele paradeisfrüchtige Paprika oder auch Pfefferoni, die in Österreich gezüchtet wurden, wie der ,Milde Wieser‘. Ertragreiche Freilandsorten sind auch der ,Paradeisfrüchtige Ungarische‘ und der ,Apfelpaprika‘. Auch im Freiland angebaut werden können die sogenannten „Capi-Typen“: z.B. der milde Gemüsepaprika ,Ardei Lung‘ und ,Korosko‘ mit drei­eckigen, langen Früchten, ebenso ,Ochsenhorn‘. Zu den Wachspaprika zählt auch der ,Rote Augsburger‘, der sehr ertragreich und relativ kältetolerant ist. Alle eignen sich auch sehr gut zum Verarbeiten (Paprika­paste, Ajvar). Eine Lokalsorte aus der Türkei, die vor einigen Jahren in Österreich ausgelesen wurde, ist die geschmackvolle und reichtragende Sorte ,Yesil Tatli‘ (fürs Gewächshaus und in warmen Lagen im Freiland). Für das Gewächshaus empfehlenswert: grüner/roter Blockpaprika mit sehr gutem Spätertrag ist ,Yolo Wonder‘, ebenso der violett/rot abreifen­de ,Violetta‘. ,Quadrato d’Asti giallo‘ und ,Quadrato d’Asti rosso‘ sind sehr große, längliche Blockpaprika, sie kommen ursprünglich aus Asti in Italien. Bei uns reifen sie mittelspät und sind sehr ertragreich. Ebenso der orange abreifende ,Cubo orange’. Sehr spätreif ist der schöne, längliche ,Dulce Italiano‘ mit sehr süßem Geschmack.

Pfefferoni

Ein milder, langer, stark gewellter Pfefferoni für den Anbau im Gewächshaus und Freiland ist ,Milder Spiral‘, eine reichtragende Sorte mit korkartiger Maserung und leichter Schärfe ist ,Elefant‘. Der ,Wieser Milder‘ ist eine reichtragende, milde und frühreife Sorte, ,Sigaretta‘ ist ein frühreifer und reichtragender Freilandpaprika und sehr standfest. Er ist gut geeignet zur Herstellung von edelsüßem Paprikapulver, aber auch zum Frischverzehr und zum Einlegen. Ebenso rot reift ,De Cayenne’ ab. Die Pflanzen sind ca. 60 cm hoch, frühreif und ertragreich.

Chili

Der Klassiker unter den mexikanischen Chilis ist der ,Jalapeño’ mit scharfen Früchten (Schärfegrad 5-6), dickwandig, mit typisch abgerundeter Spitze. Ebenso der noch etwas schärfere ,Serrano‘ (6-7), der einen feinen, fruchtigen Geschmack hat, sich nicht gut zum Trocknen eignet und am besten frisch gegessen wird. Amuc-h Poblano-Chilis (Ancho-Typ) sind klassische mexi­akanische Sorten, sie erinnern an europäische Gemü­sepaprika, sind aber schärfer (3-4). Sie werden gerne gefüllt oder reif (rot) getrocknet und heißen dann „Ancho“. Die Früchte schmecken fruchtig und sind auch eine wichtige Grundlage für die mexikanische „Mole“. Sehr reichtragende Chilis sind: der orange ,Capela‘ mit kleinen, dreieckigen Früchten, die scharf und aromatisch schmecken, mittelspät reifen und sehr gut zum Trocknen und Einlegen geeignet sind; ,Sarit gat‘ mit mittellangen bis langen, scharfen Früchten (6), die von Grün auf Sonnengelb abreifen. Zum frisch Essen und Einlegen eignet sich der scharfe (6), rote Kirschpfefferoni. Eine interessante Sorte ist der ,Fish Pepper’ mit unreif grün-weiß gestreiften Früchten und panaschierten Blättern. Mehrjährig sind die Glocken­paprika (Capsicum baccatum). Die Früchte hängen wie kleine Glöckchen an den mehrjährigen Pflanzen und sind mittelscharf (Schärfegrad 4). Die Pflanzen lassen sich bei 15°C gut überwintern. ,Kusburnu‘ wächst in Büscheln, die auch als Ganzes getrocknet werden können. Und zum Schluss zu den ganz scharfen: Die zahlreichen, unterschiedlich großen und verschieden gefärbten Sortenvertreter des mexikanischen ,Habanero‘ (Capsicum chinense) eint ihr guter, fruchtiger Geschmack, kombiniert mit einer sehr hohen Schärfe (10). Bei uns sind sie für den Anbau im Gewächshaus (eventuell auch unter Vlies) und in geschützten Lagen im Topf empfehlenswert. Die Früchte sind nicht nur sehr scharf (Schärfegrad 10), sondern schmecken auch außergewöhnlich fruchtig. Die Früchte schme­cken nur voll ausgereift gut. Habaneros lassen sich sowohl zu Gemüse- und Fleischgerichten als auch im Obstsalat als Gewürz verwenden. Besonders fein schmeckt Flabanero-Flonig. Ebenso scharf ist der kari­bische ,Scotch Bonnet‘. Und der derzeit schärfste Chili, ebenso ein Vertreter der Art chinense, ist der ,Bhut Jolokia‘ mit länglichen, spitz zulaufenden Früchten, die von Grün über Gelb nach Rot abreifen. Die Pflanzen werden 45-120 cm hoch. Trotz ihrer Schärfe ist das Aroma fruchtig. Bei der Ernte und beim Herauslösen der Samen unbedingt Schutzhandschuhe tragen. Sehr spätreif (120 Tage von der Aussaat bis zur Ernte), daher schon ab Mitte Januar aussäen.